Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht über die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun durch Howard Carter im Jahr 1922 um die Welt. Alle Augen waren auf Ägypten gerichtet und man fragte sich, was alles in dem Grab entdeckt würde. Niemand machte sich Gedanken darüber, ob das Grab durch die Öffnung etwa entweiht oder ob die letzte Ruhe des Toten gestört würde. Nach der Graböffnung wurden die gefundenen Schätze katalogisiert. Unter ihnen befand sich auch eine Steintafel, die mit einer Inschrift versehen war, dem sogenannten Fluch. Die Inschrift besagte in etwa, dass jeder, der die Ruhe des Pharaos störe, vom Tod ereilt würde. Die Tafel wurde jedoch nicht weiter beachtet. Als am 5. April 1923 der Hobby-Ägyptologe und Financier von Howard´s Grabungsarbeiten Lord Carnarvon verstarb, rückte der in Stein verewigte Fluch wieder ins Rampenlicht. Lord Carnarvon wurde beim Verlassen des Grabes von einem Insekt gestochen, was eine Blutvergiftung nach sich zog.
Hinzu kam eine Lungenentzündung, die dem eh schon geschwächten Lord Carnarvon den Rest gab. Als er die Augen in Kairo für immer schloss, sollen in der ganzen Stadt die Lichter ausgegangen sein und sein Hund in England soll zur gleichen Zeit wie der Lord um 2 Uhr morgens, verstorben sein. Eine Wirkung des Fluchs? Aber das sollte erst der Anfang sein. Mehrere Menschen, die mit der Graböffnung zu tun hatten, starben unter - für den damaligen Kenntnisstand - mysteriösen Umständen. So verstarb auch Arthur Mace 1924, der Sekretär von Howard Carter, an einem Lungenleiden. Er entfernte bei der Graböffnung den letzten Stein. Im gleichen Jahr wurde das Ableben von Douglas Archibald bekannt, der die Mumie des Tutanchamun ausgewickelt hatte. Ebenfalls 1924 verstarb auf merkwürdige Art und Weise der Konservator des Louvre in Paris, George Benedit, und zwar an dem Tag, an welchem er das Grab besichtigt hatte. Auch den Literaturwisenschaftler La Fleur ereilte der Tod, allerdings erst zwei Tage nach seinem Besuch der Grabkammer.
Lord Carnarvons Gattin lebte bis 1929, wurde aber - wie der Lord selbst - durch einen Insektenstich dahingestreckt. Die Gerüchteküche brodelte und der Fluch des Tutanchamun war in aller Munde. Wissenschaftliche Untersuchungen, die im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts unternommen wurden und die Resultate in der Medizinforschung bestätigen, dass die Todesfälle keineswegs auf den Fluch des Tutanchamun zurückzuführen sind, sondern viel mehr die Konsequenz aus natürlichen Gegebenheiten darstellen. Schimmelpilze und Bakterien hatten sich während der etwa 4000 Jahre in der Grabkammer gebildet und wurden beim Öffnen derselben eingeatmet - bei manchen eine höchst gefährliche Angelegenheit, die letztendlich zum Tod führen kann. Und nach wie vor bleibt ein Insektenstich ein Insektenstich. Leider war damals das Wissen über Allergien noch sehr eingeschränkt, so dass die Theorie des “Fluches” sehr naheliegend war. Howard Carter selbst segnete das Zeitliche erst am 2. März 1939 durch einen bösartigen Tumor im Lymphsystem. Geht man vom Stand der damaligen Forschungen aus, kann man den Glauben an den Fluch des Tutanchamun vielleicht nachvollziehen. Oder waren es doch die Mächte des längst verstorbenen Pharao Tutanchamun, der die Ungläubigen strafen wollte?
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