Seit vielen Jahrzehnten existieren auch in Deutschland neben dem dreigliedrigen System weiterführender Schulen und den Gesamtschulen alternative Schulkonzepte: Da fallen dann Namen wie Montessori- und Waldorfschule sowie Jenaplan. Nach PISA 2003 versuchten Eltern, ihren Kinder nicht allein durch den Einsatz von Nachhilfe und Nachhilfeunterricht bessere Schulleistungen zu ermöglichen, sie setzten auch verstärkt auf diese alternativen Schulkonzepte. Die Montessori-Pädagogik leitet sich von Maria Montessori ab, die 1907 ein erstes Montessori-Kinderhaus in Rom gründete.
Sie geht von so genannten sensiblen Lernphasen aus, in denen Kinder besonders aufnahmebereit für bestimmte Lehrinhalte sind. Unterricht in Montessorischulen findet zumeist in altersgemischten Gruppen statt; neben konventionellem Unterricht steht die Freiarbeit, in der die Kinder selbst entscheiden, mit welchen Lerninhalten sie sich beschäftigen. „Hilf mir, es selbst zu tun“, ist eine wesentliche Forderung von Kindern in Montessorischulen, die meistens als Grund- oder Hauptschulen fungieren. Um gute Übergänge auf weiterführende Schulen wie Realschule oder Gymnasium zu ermöglichen, wird allerdings auch in den Montessori-Grundschulen das Lernen in der letzten Phase dem in herkömmlichen Grundschulen ähnlicher. Die Jenaplan-Schule beruft sich auf pädagogische Ideen von Peter Petersen, einst Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität in Jena. Auch die Jenaplan-Schule setzt auf altersgemischte Klassen, in denen Kinder von Kindern lernen können. Handarbeit, Gespräche, Spiele stehen neben traditionellem Lernen, bei dem sich die Kinder gegenseitig unterstützen. Gelernt wird in so genannten Stammgruppen, aber auch in speziellen Kursen, etwa zur Mathematik. Ganzheitliche und der Leistungsstärke entsprechende Förderung der Schülerinnen und Schüler ist eine wichtige Komponente der Jenaplan-Schulen. Eine Waldorfschule entstand erstmalig 1919 in Stuttgart; die Leitung wurde dem Anthroposophen Rudolf Steiner überlassen.
Waldorfpädagogik kommt ohne Noten und „Sitzen bleiben“ aus und integriert Bildung in ein System ganzheitlicher Persönlichkeitsbildung. Gerade bei den Waldorfschulen zeigt sich aber auch eine Problematik der tradierten Reformpädagogik. Teile von Rudolf Steiners Lehre — beispielsweise die von ihm angenommenen Sieben-Jahres-Zyklen bei der Entwicklung von Kindern — sind mittlerweile überholt. Eltern werden bei der Schulauswahl für ihre Kinder genau hinsehen müssen, inwieweit diese Reformschulen der Moderne notwendige Zugeständnisse gemacht haben. Schließlich geht es um nichts Geringeres als das optimale Lernumfeld für die Kinder.
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